Themen

Olympia und Paralymics

Unsere Entschediungshilfe für den Bürger*innenentscheid zu Olympischen und Paralympischen Spielen in Köln

Hintergrund

Liebe Kölner*innen, 

die Entscheidung über mögliche Olympische und Paralympische Spiele ist für Köln von großer Tragweite. Deshalb haben wir Chancen, Risiken und Auswirkungen systematisch analysiert und entsprechend ihrer Bedeutung gewichtet. Die für uns zentralen Argumente und Bewertung finden Sie nachstehend:   

"Die Volt-Fraktion im Kölner Rat empfiehlt den Kölner*innen, beim anstehenden Entscheid für eine Bewerbung zu Olympischen und Paralympischen Spielen zu stimmen. Voraussetzung dafür ist, dass der gesamte Prozess transparent gestaltet wird und die Kosten auf Bund, Land und Stadt fair verteilt werden."

Gemeinsames Pressestatement

Volt Fraktion im Kölner Rat und Volt Köln

Wir helfen Dir Deine eigene Position zu finden

Wir sehen sehr große soziale Chancen und bewerten diese Aspekte sehr positiv! Die Olympischen und Paralympischen Spiele bieten enormes Potenzial für Inklusion und Barrierefreiheit: Sie machen Menschen mit Behinderungen sichtbar und fördern die Teilhabe im Sport. Gleichzeitig erhöht sich die Präsenz von Frauen im Hochleistungssport und somit die Inspiration für Mädchen und Frauen im Sport. In Frankreich stiegen die Mitgliederzahlen in Sportvereinen nach Olympia deutlich. In London 2012 blieben sie dagegen konstant. Aktivierung zum Sport braucht demnach begleitende Maßnahmen, wie Trainer*innenausbildung; zudem sind Erfolge der eigenen nationalen Teams relevant. Die Spiele können als „Schmelztiegel” für Inklusion, internationale Begegnung und soziale Teilhabe wirken und das bürgerschaftliche Engagement in Form von Volunteer-Programmen gefördert werden. 

Die Nachnutzung des olympischen Dorfes kann weiterhin tausende neue Wohneinheiten für die lokale Bevölkerung schaffen. Nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris, entstanden 500 neue Sozialwohnungen. Doch Großprojekte bergen auch Gentrifizierungsrisiken, steigende Mieten und Verdrängung (siehe London). Gleichzeitig führten olympische und paralympische Spiele auch zur Verdrängung von Wohnungslosen, hier braucht es proaktive Strategien, um diese Art von Diskriminierung zu vermeiden. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der in unsere Bewertung eingeflossen ist, war das Prinzip der universellen Barrierefreiheit – mindestens 1% der olympischen Unterkünfte müssen rollstuhlgerecht gebaut sein. Auch Public Viewing soll durch Blindenreportage und Gebärdensprache barrierefrei gestaltet werden. Köln hat bereits während der EURO 24 bewiesen, dass Barrierefreiheit zentral für die Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen für alle ist und galt als Vorreiter Stadt. Der Ausbau der Barrierefreiheit in Köln wird mit der Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele beschleunigt. 

Darüber hinaus können verschiedene Bewegungsangebote für die Besucher*innen angeboten werden und somit ein inklusives Sporterleben ermöglichen. Gesundheitssysteme können mittelfristig durch mehr Sporttreibende finanziell entlastet werden, während der Spiele sind lokale Gesundheitssysteme hingegen stärker belastet, zudem fordert das IOC  in Verträgen unentgeltliche medizinische Versorgung für akkreditierte Personen. Auch Kölner*innen können durch die Lautstärke gesundheitlich unter den Spielen leiden. 

*Quellen zu genannten Zahlen unter dem Link “unsere Abstimmungsempfehlung” s.o.

Das finanzielle Risiko überwiegt die wirtschaftlichen Chancen deutlich, weshalb wir diesen Bereich sehr negativ bewerten. Ohne die Prämisse, dass Land und/oder Bund die Mehrkosten (anteilig) tragen, wird Köln finanziell langfristigen Schaden davontragen. Die historische Datenlage belegt das erhebliche Kostenrisiko: Seit 1960 betrug die durchschnittliche Budgetüberschreitung 179%. Die Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris kosteten ca. 6,6 Mrd. Euro (hiervon 3,19 Mrd. € Infrastruktur)! Während  bei der Euro 2024 Sicherheit der größte Kostenfaktor für die Stadt Köln war (8 Mio. €), beliefen sich diese Ausgaben in Frankreich auf  1,7 Mrd. Euro. Kosten, die in früheren IOC Verträgen die Ausrichter tragen mussten. Zusätzlich verringern die vertraglich vereinbarten Steuervorteile für das IOC und Organisationskomitee sowie ihre Dienstleistern etwaige Einnahmen für den städtischen Haushalt. Von Infrastrukturmaßnahmen kann die Stadt jedoch über Olympia hinaus stark profitieren (siehe Studie zu München), auch in Paris hatten die Spiele einen Anteil am Wirtschaftswachstum. Ohne Olympia als Katalysator wird Köln den aktuellen Investitionsstau nicht aus eigener Kraft lösen können. Weiterhin können lokale, temporäre Arbeitsplätze in unserer Region geschaffen und somit die lokale Wirtschaft gefördert werden. Insbesondere für die Region und mit Blick auf den Strukturwandel im Ruhrgebiet können die Spiele einen großen Anschub für die Tourismus- und Kulturbranche bedeuten. Köln hat bewiesen, dass Großevents die Wahrnehmung als attraktive und gastfreundliche Metropole langfristig stärken. Allerdings rechtfertigen diese potentiellen Vorteile kein ungesichertes finanzielles Risiko. 

*Quellen zu genannten Zahlen unter dem Link “unsere Abstimmungsempfehlung” s.o.

Die ökologische Betrachtung fällt insbesondere aufgrund des erhöhten Energieverbrauchs und Verkehrsaufkommens negativ aus. Es besteht dennoch die Möglichkeit, die Olympischen Spiele  ökologischer und nachhaltiger zu gestalten als bisher. In Köln bestehen bereits über 90 % der benötigten Sportstätten, wodurch der Ressourcenverbrauch für Neubauten massiv reduziert wird, dennoch besteht natürlich weiterhin eine Belastung der Umwelt, denn auch temporäre Bauten, wie das Leichtathletikstadion, haben negative ökologische Auswirkungen. Großereignisse können jedoch auch ökologische Innovationen fördern, beispielsweise im Bereich der Wasserwirtschaft oder Kreislaufwirtschaft. Durch eine effiziente Gebäudetechnik und die Nutzung von Regen- und Oberflächenwasser kann zum Beispiel der Verbrauch von Wasser optimiert und kostenlose Trinkwasserstationen bereitgestellt werden. Auch im Bereich der Abfallwirtschaft können Pfandsysteme und Mehrwegbehältnisse zu einer hohen Recyclingquote führen. 

Die Olympischen und Paralympischen Spiele können zudem die Mobilitätswende beschleunigen. Geplante Projekte, zum Beispiel der Ausbau von Schienennetzen oder des ÖPNVs, können durch das fixierte Zieldatum schneller bzw. nur der Spiele wegen realisiert werden. Durch die Ausrichtung der olympischen und paralympischen Spiele kann der ÖPNV-Anteil in unserer Stadt vergrößert werden, insbesondere durch eine bessere Anbindung des Stadtbezirks Chorweiler durch eine verlässliche und zusätzliche Stadtbahnverbindung sowie die Beschleunigung des Autobahnanschlusses Kreuzfeld an die BAB 57. Auch die kostenlose Nutzung für Ticketinhaber kann den ÖPNV stärken. Darüber hinaus ist ein Ausbau des Radwegenetzes in Köln geplant, z. B. 415 km “Olympic Lanes”. Hierdurch kann auch die aktive Mobilität gefördert werden.  Darüber hinaus können neue Verkehrswege und Mobilitätsarten ausgebaut werden, wie zum Beispiel die Rheinquerung während der EURO 2024. Zeitgleich kann die Beschleunigung von einigen Infrstruktur-Vorhaben andere Projekte nach hinten verschieben, zudem wird der Berufsverkehr während der Spiele eingeschränkt. Die CO2 Emissionen (wenn auch kompensiert) blieben in der Vergangenheit verheerend: auch, wenn diese während der Sommerspiele in Paris im Vergleich zu London 2012 um mehr als 50% reduziert werden konnten, betrug der Wert immer noch 2,1 Millionen Tonnen CO2

*Quellen zu genannten Zahlen unter dem Link “unsere Abstimmungsempfehlung” s.o.

Wir stehen zur olympischen Idee der Völkerverständigung durch Sport, auch wenn diese durch Politisierung, hohe Ticketpreise und Skandale bedroht und in Teilen bereits ausgehöhlt wird . Die Rolle des IOC und sein oftmals unmoralisches Verhalten gewichten wir gerade in diesen Zeiten weltpolitischer Umbrüche stärker. Gleichzeitig zeigt ein sehr großer Teil der Sportler*innen bei den Spielen, dass sie die positiven Werte des Sports Fairness, Respekt, Teamgeist, Vielfalt und Inklusion verkörpern, diese in die Gesellschaft tragen und inspirieren. Wir sind überzeugt, dass auch die Kölner*innen dazu beitragen werden, Werte hochzuhalten und gemeinsam Laut gegen eventuelle Vereinnahmung und Skandale zu sein. Großevents können darüber durch Belegung von Plätzen und Wegen die Versammlungsfreiheit beeinträchtigen. Auch derart hohe Ausgaben bei gleichzeitig notwendigen Haushaltseinsparungen bewerten wir kritisch. 

Es überwiegt für uns dennoch die Chance, hohe ethische Standards und klare Haltung sichtbar zu machen. Wir wollen Zusammenhalt, Völkerverständigung und Weltoffenheit fördern und sehen großes Potenzial, dass die Spiele hierbei bestärken.

*Quellen zu genannten Zahlen unter dem Link “unsere Abstimmungsempfehlung” s.o.